Sonntag, 7. August 2011

Juni - Juli

Gedenkdiener treffen Rudolf Gelbard



Der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard lud am 13. Mai 2011 einige Auslandsdiener in das Cafe Imperial in Wien, um mit ihnen über seine Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus zu reden. In dem fast zweistündigen Gespräch wurde nicht nur Gelbards Vergangenheit,sondern auch seine Haltung zum Gedenkdienst angesprochen.

Rudolf Gelbard wurde 1930 in eine jüdische Familie geboren und erlebte als 8-jähriger Junge den Einmarsch deutscher Truppen in Wien. 1942 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern ins KZ Theresienstadt deportiert, wo bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr inhaftiert war. Nach Ende des Krieges kehrte er nach Wien zurück und wurde in den letzten Jahrzehnten zu einer wichtigen Leitfigur für die antifaschistische Arbeit in Österreich.

Das Gespräch leitete Gelbard mit Fakten zur Politik der Nationalsozialisten ein. So erwähnte er, dass

2/3 der europäischenJuden während des Zweiten Weltkriegs getötet wurden, wie auch 500.000 Roma und Sinti und zahlreiche Opfer der Eugenik-Politik zu beklagen sind. Er erklärte weshalb er Hitlers Mein Kampf insgesamt sieben Mal gelesen habe und welche persönlichen Grenzen er bei sich sehe, wenn er über die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheitspreche. Des Weiteren behandelte er auch die Frage, ob er seinen Peinigern von damals verzeihen könne.

Ebenfalls Thema des Gesprächs waren der Film Der Mann auf dem Balkon und seine Beziehung zu Simon Wiesenthal. Was den Österreichischen Auslandsdienst betrifft, meinte Gelbard, dass diese Arbeit einen wichtigen Beitrag z

ur Aufarbeitung der Geschichte leiste und auf jeden Fall fortgesetzt werden müsse.

Unter den Auszeichnungen für seinen unermüdlichen Einsatz finden sich das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, sowie der nach ihm benannte Rudolf Gelbard Preis für Aufklärung gegen Faschismus und Antisemitismus. Der 2008 erschienene Film Der Mann auf dem Balkon porträtiert sein Leben.

Bei Fragen zu dieser Veranstaltung können Sie sich an Michael Fürmann wenden.


Gedenkdienst weitet Aktivitätsfeld auf Krakauer Galicia Jewish Museum aus.




Johannes Tiefenthaler beendete mit 31. Juli 2011 als erster Österreicher seinen Gedenkdienst im Galicia Jewish Museum, lokalisiert im polnischen Krakau. Das Jüdische Museum Galizien (Galicia Jewish Museum / Żydowskie Muzeum Galicia) wurde gegründet, um einen Beitrag zur Wiederbelebung der jüdischen Kultur im polnischen Galizien, dem heutigen Kleinpolen (Małopolska) zu leisten. Galizien war ursprünglich eine Provinz der österreich-ungarischen Monarchie, die 1918 zerfiel. Das Gebiet des ehemaligen Galizien erstreckt sich heute über die westliche Ukraine und das südöstliche Polen. Die damalige Hauptstadt war Lemberg, in der zeitweise 110 000 Juden lebten (1/3 der Stadtbevölkerung).


Das Museum bietet ein breites Programm an, das von Führungen durch regelmäßig wechselnde Ausstellungen, über jüdischen Tanz bis zu Treffen mit Gerechten unter den Völkern und Workshops, Seminaren sowie Vorträgen in englischer und polnischer Sprache reicht.


„Ich war das ganze Jahr über Guide im Museum und für Führungen durch die Ausstellung 'Traces of Memory' sowie Wechselausstellungen auf Englisch und Deutsch zuständig. Außerdem war in der Bildungsabteilung tätig, wo ich an vielen Projekten mithelfen konnte sowie Übersetzungen diverser Dokumente durchführte. Die Arbeit war sehr vielseitig und interessant, ich konnte wahnsinnig viel Neues erfahren, auch dank dem historisch reichen Krakau“, so der 20-jährige Oberösterreicher.


Mehr Informationen direkt bei Johannes Tiefenthaler:

http://www.auslandsdienst.at/ooe/mitarb/j_tiefenthaler.htm