Vortrag von Paul Lendvai über sein „verspieltes Land“
Angefangen von den jüngeren Generationen, die sich offensichtlich immer stärker auf die rechte Seite bewegen, bis hin zu den Politikern und deren Parteien, die Richtungen und Visionen vorgeben, die uns vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt sind. Die anschließende Diskussion rundete die Veranstaltung ab und eröffnete den Zuhörenden einige neue Blickwinkel.
Mehr Informationen bei Johannes Höß und Thomas Schobesberger
„Auslandsdiener berichten…“
Alexander Graf, Paris
Ich habe meinen Gedenkdienst am 1. September 2010 an der Amicale de Mauthausen in Paris angetreten. Mein bisheriger Eindruck ist durchwegs positiv. Aufgrund meiner langfristigen, kulturellen Vorbereitung gab es für mich keine besonderen Überraschungen bzgl. der französischen Lebensweise. Aber natürlich entdeckt man laufend neue Dinge und gewinnt daraus persönliche Kenntnisse.
Meine Arbeit an der Amicale umfasste verschiedenste Aktivitäten, darunter das Übersetzen und Archivieren/Digitalisieren von Dokumenten, tägliche E-Mail-Korrespondenz sowie Mithilfe bei der Buchhaltung (Kontrolle von Schecks bzw. Einzahlungen, Sortieren von Dokumenten, …). Besonders hervorheben möchte ich die organisatorischen Arbeiten im Zuge der jährlichen Mauthausen-Reise oder des Kongresses der Amicale de Mauthausen in Lille.
Langfristig arbeite ich an der Digitalisierung aller Amicale-Bulletins, welche ab der Mitte der 40er Jahre veröffentlicht wurden. Ziel dieses Projektes ist es, dass diese Magazine auf der Website der Amicale für jedermann einsehbar sind.
Natürlich gab es anfangs, trotz umfangreicher sprachlicher Vorbereitung kleinere Verständigungsprobleme. Aufgrund der ständigen Konfrontation mit der französischen Sprache minimierten sich diese jedoch schnell und inzwischen habe ich im Alltag eigentlich keinerlei Schwierigkeiten mehr.
Mehr Informationen bei Alexander Graf
Florian Lust, Prato
Ich arbeite seit 1.9.2010 in Prato, Italien am Museo e Centro di Documentazione della Deportazione e Resistenza.
Ohne mich etwaiger Vorurteile bedienen zu wollen, stellte ich während meiner bisherigen Zeit in Italien fest, dass man in meinem Umfeld hier in Prato nicht wirklich viel von Pünktlichkeit zu halten scheint. Das war für mich am Anfang ehrlich gesagt etwas gewöhnungsbedürftig. Jedoch möchte ich betonen, dass die Italiener stets sehr nett und hilfsbereit sind.
Im Museum habe ich im Anfang Großteils Büroarbeiten erledigt, da ich zugeben muss, dass mir die Sprache und vor allem das Sprechtempo in den ersten Wochen schwerer gefallen sind, als ich es erwartet habe. Unter Anderem nahm ich an verschiedenen Konferenzen teil, durchstöberte Zeitungen nach für unsere Arbeit relevanten Artikeln oder half bei der Instandhaltung der Technik im Museum. Des Weiteren bereitete ich mich natürlich laufend auf Führungen vor. Im Jänner fühlte ich mich schließlich im Stand auch selbst Führungen für Besuchergruppen zu halten. Des Weiteren habe ich mit meinem Kollegen Enrico Iozzelli das Projekt "Treno della Memoria" organisiert. Dieses Projekt findet alle zwei Jahre statt und führte uns vom 24.1 bis 28.1.2011, also rund um den „Internationalen Holocaust Gedenktag“, gemeinsam mit circa 800 Teilnehmern nach Oswiecim, Polen, wo wir das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau und die Umgebung besuchten.
Da der Gedenkdienst für mich den ersten längerfristigen Aufenthalt im Ausland darstellt, war die Umstellung für mich vom „Hotel Mama“, das sich bekanntlich ja auch in Italien größter Beliebtheit erfreut, und dem selbstständigen Leben hier in einer neuen Umgebung inkl. neuer Sprache ziemlich groß. Ich bin aber sehr froh, dass ich mich dazu entschlossen habe und dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, es tatsächlich zu realisieren.
Mehr Informationen bei Florian Lust
David Witzeneder, Costa Rica
Seit 1. September 2010 leiste ich meinen Sozialdienst an der Tropenstation La Gamba in Costa Rica.
Der Lärm im Ort oder in der Stadt ist für mich oft schwer zu ertragen. Vor jedem Haus wartet mindestens ein Hund darauf, dass jemand vorbeikommt um laut zu bellen beginnen zu können. Viele laufen Passanten auch längere Strecken hinterher und das passiert natürlich auch in der Nacht. Somit ist es unschwer vorstellbar, dass man bei einer Fahrradfahrt durch bewohntes Gebiet von einer Schar von 30 laut bellender Hunde und mehr verfolgt wird. Leider musste ich auch feststellen, dass viele Menschen große psychische Probleme haben und oft nicht die Möglichkeit haben darüber zu sprechen. Beispielsweise gibt es hier einen Fall, wo ein erwachsener Mann seit 20 Jahren mit niemanden über den tödlichen Unfall seines Vaters während dessen Kindheit gesprochen hat.
Mit der Sprache geht es mir nach einem halben Jahr sehr gut. Mein täglicher Kontakt mit den Ticos hat zur Folge, dass ich inzwischen auch den lokalen Dialekt ganz gut beherrsche – was mich sogar ein bisschen stolz macht.
Im Februar habe ich meinen Arbeitsplatz wie geplant an die Finca Sonador nach Puntarenas – also in den nördlicheren Teil Costa Ricas – gewechselt. Vormittags arbeite ich hier nun hauptsächlich im Kindergarten und nachmittags kümmere ich mich um verschiedene technische Bereiche. Weiters habe ich mir vorgenommen den anfallenden Dung der Kühe mittels einer örtlichen Biogasanlage zu verwerten und somit Biogas zum Kochen und gleichzeitig Kompost für den Garten zu gewinnen. Wünscht mir viel Erfolg, dass das auch funktioniert.
Mehr Informationen bei David Witzeneder
Lukas Mähr, Melbourne
Ich arbeite seit 1.September 2010 am Jewish Museum of Australia in Melbourne. Einen Kulturschock habe ich hier eigentlich nicht erlitten. Wer Melbourne kennt, weiß dass es hinsichtlich der Lebensqualität und den Gewohnheiten einer europäischen Stadt sehr ähnlich ist. Die einzige gravierende Umstellung betraf die verschobenen Jahreszeiten.
Auch im Museum gab es keine unvorhersehbaren Überraschungen, da ich von meinen Vorgängern gut vorbereitet wurde. Meine derzeitige Aufgabe ist die umfangreiche Recherche von Familiengeschichten während der NS Zeit. Momentan befasse ich mich mit den Schicksalen der Familien Weilburg und Kohn. Die Emigration wurde in beiden Fällen nur einem Teil der Familien gestattet. Daher fand reger Briefverkehr zwischen den Familienmitgliedern statt, welchen ich jetzt genau nachverfolge um Rückschlüsse auf das Leben der Familien ziehen zu können.
In den letzten Wochen habe ich am "The Babel Project", einem Community Arts Projekt teilgenommen, wofür ich die Grafiken erstellte und an der Ausstellungskonzeption arbeitete. Dieses Projekt wurde am 6. März 2011 präsentiert und wandert später in verschiedene Vororte. Ich bin noch weitere fünf Monate hier in Melbourne und freue mich auf interessante Projekte und Erfahrungen.
Mehr Informationen bei Lukas Mähr
Erstes Helen Keller Seminar an der Dorton House School
Am 4. März 2011 hielten die drei Sozialdiener an der Dorton House School in Seal/England im Rahmen der weltweiten Seminarreihe des Österreichischen Auslandsdienstes ihr erstes ‚Helen Keller Seminar‘. Das von Alexander, Andreas und Simon organisierte Seminar über die taubblinde Schriftstellerin und politische Aktivistin Helen Keller fand am Campus der Dorton House School statt.
„Wir sind sehr zufrieden. Unser Seminar war aus unserer Sicht sehr gut besucht und das Feedback war durchwegs positiv“, fasst Andreas Maschke erfreut zusammen. „Wir versuchten, sowohl auf Helen Kellers Werk und Persönlichkeit, als auch auf das Thema Behinderung und natürlich im Besonderen Blindheit in der heutigen Zeit einzugehen. Unser Programmmix aus Vortrag, Dokumentation, Lesung und Diskussion ist offenbar gut angekommen“.
Die drei Sozialdiener arbeiten seit 1. September 2010 an der Dorton House School, einer Schule für blinde Jugendliche mit Behinderung, und haben damit bereits mehr als die Hälfte ihres Dienstes absolviert. „Die Arbeit ist nach wie vor sehr interessant und lehrreich und bereitet uns viel Freude“ sagt Simon Spornberger.
Mehr Informationen bei Alexander Berger, Andreas Maschke und Simon Spornberger
v.l.n.r.: Alexander Berger, Andreas Maschke und Simon Spornberger.



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