Sonntag, 7. August 2011

Juni - Juli

Gedenkdiener treffen Rudolf Gelbard



Der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard lud am 13. Mai 2011 einige Auslandsdiener in das Cafe Imperial in Wien, um mit ihnen über seine Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus zu reden. In dem fast zweistündigen Gespräch wurde nicht nur Gelbards Vergangenheit,sondern auch seine Haltung zum Gedenkdienst angesprochen.

Rudolf Gelbard wurde 1930 in eine jüdische Familie geboren und erlebte als 8-jähriger Junge den Einmarsch deutscher Truppen in Wien. 1942 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern ins KZ Theresienstadt deportiert, wo bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr inhaftiert war. Nach Ende des Krieges kehrte er nach Wien zurück und wurde in den letzten Jahrzehnten zu einer wichtigen Leitfigur für die antifaschistische Arbeit in Österreich.

Das Gespräch leitete Gelbard mit Fakten zur Politik der Nationalsozialisten ein. So erwähnte er, dass

2/3 der europäischenJuden während des Zweiten Weltkriegs getötet wurden, wie auch 500.000 Roma und Sinti und zahlreiche Opfer der Eugenik-Politik zu beklagen sind. Er erklärte weshalb er Hitlers Mein Kampf insgesamt sieben Mal gelesen habe und welche persönlichen Grenzen er bei sich sehe, wenn er über die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheitspreche. Des Weiteren behandelte er auch die Frage, ob er seinen Peinigern von damals verzeihen könne.

Ebenfalls Thema des Gesprächs waren der Film Der Mann auf dem Balkon und seine Beziehung zu Simon Wiesenthal. Was den Österreichischen Auslandsdienst betrifft, meinte Gelbard, dass diese Arbeit einen wichtigen Beitrag z

ur Aufarbeitung der Geschichte leiste und auf jeden Fall fortgesetzt werden müsse.

Unter den Auszeichnungen für seinen unermüdlichen Einsatz finden sich das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, sowie der nach ihm benannte Rudolf Gelbard Preis für Aufklärung gegen Faschismus und Antisemitismus. Der 2008 erschienene Film Der Mann auf dem Balkon porträtiert sein Leben.

Bei Fragen zu dieser Veranstaltung können Sie sich an Michael Fürmann wenden.


Gedenkdienst weitet Aktivitätsfeld auf Krakauer Galicia Jewish Museum aus.




Johannes Tiefenthaler beendete mit 31. Juli 2011 als erster Österreicher seinen Gedenkdienst im Galicia Jewish Museum, lokalisiert im polnischen Krakau. Das Jüdische Museum Galizien (Galicia Jewish Museum / Żydowskie Muzeum Galicia) wurde gegründet, um einen Beitrag zur Wiederbelebung der jüdischen Kultur im polnischen Galizien, dem heutigen Kleinpolen (Małopolska) zu leisten. Galizien war ursprünglich eine Provinz der österreich-ungarischen Monarchie, die 1918 zerfiel. Das Gebiet des ehemaligen Galizien erstreckt sich heute über die westliche Ukraine und das südöstliche Polen. Die damalige Hauptstadt war Lemberg, in der zeitweise 110 000 Juden lebten (1/3 der Stadtbevölkerung).


Das Museum bietet ein breites Programm an, das von Führungen durch regelmäßig wechselnde Ausstellungen, über jüdischen Tanz bis zu Treffen mit Gerechten unter den Völkern und Workshops, Seminaren sowie Vorträgen in englischer und polnischer Sprache reicht.


„Ich war das ganze Jahr über Guide im Museum und für Führungen durch die Ausstellung 'Traces of Memory' sowie Wechselausstellungen auf Englisch und Deutsch zuständig. Außerdem war in der Bildungsabteilung tätig, wo ich an vielen Projekten mithelfen konnte sowie Übersetzungen diverser Dokumente durchführte. Die Arbeit war sehr vielseitig und interessant, ich konnte wahnsinnig viel Neues erfahren, auch dank dem historisch reichen Krakau“, so der 20-jährige Oberösterreicher.


Mehr Informationen direkt bei Johannes Tiefenthaler:

http://www.auslandsdienst.at/ooe/mitarb/j_tiefenthaler.htm


Dienstag, 31. Mai 2011

Mai

Gedenkdienst-Kandidaten besuchen Befreiungsfeier Mauthausen

Die diesjährige internationale Befreiungsfeier zum Gedenken an die Befreiung des KZ Mauthausen am 8.Mai 1945 fand in gewohnter Atmosphäre unter würdevoller musikalischer Begleitung statt.

Beim traditionellen Einzug der Befreier, der österreichischen Politiker sowie der Vertreter der Lagergemeinschaften und Jugendorganisationen, die sich gerade heute im Kampf gegen den Faschismus engagieren, hob der Vorsitzende des Mauthausenkomitees Willi Mernyi, in seiner Rede die Wichtigkeit von Zivilcourage hervor. Der nationalsozialistische Terror habe diese Ausmaße des Schreckens nur durch die aktive Teilnahme der Bevölkerung erreichen können.

Die von über 7000 Menschen besuchte Befreiungsfeier trug mit ihrem Gedenken an die Opfer von damals zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zu einer Zukunft ohne Faschismus bei.

Der Verein Österreichischer Auslandsdienst, der seit 1998 Gedenkdienst als Zivildienstersatz anbietet, war mit einigen ehemaligen und zukünftigen Gedenkdienern vertreten. Gedenkdiener Florian Lust war gemeinsam mit zahlreichen Vertretern seiner Einsatzstelle, Museo della Deportazione, aus Prato, Italien angereist. Eine Mitarbeiterin und weitere Gedenkdienst–Kandidaten hatten sich zusätzlich im Vorhinein mit der bekannten deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Anna Rosmus und zahlreichen US–Veteranen getroffen, und sich über die Erinnerungsarbeit ausgetauscht.


Mehr Informationen bei Thomas Schobesberger


Podiumsdiskussion: „Öko&Fair ernä

hrt mehr!“

Am Mittwoch, dem 13. April 2011 fand im Wiener Centrum für Internationale Entwicklung (C3) eine Diskussion rund um Ernährungssicherheit statt. Der Sozialdiener Markus Kristen besuchte die Veranstaltung.

Fragen, wie sich die Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen der Welt entwickelt, welche Probleme bei der Zertifizierung von biologischem Anbau auftreten und welche Forderungen von verschiedenen Betrieben aufgestellt werden, wurden von einer Expertengruppe behandelt.

Es diskutierten die Bio-Kleinbäuerin Maria Vogt, die Geschäftsführerin des Interdisziplinären Forschungsinstituts für Entwicklungs

zusammenarbeit Dr. Petra Gruber und das Vorstandsmitglied der thailändischen Earthnet Foundation Vitoon Panyatun.

Dass biologischer Anbau und faire Arbeitsbedingungen nicht immer miteinander kooperieren müssen, war ein weiteres Problem, das angesprochen wurde. Die Landflucht der letzten Jahrzehnte und der Druck der kommerziellen Massenlandwirtschaft haben dazu geführt, dass auch Bio-Betriebe Arbeitskräfte ausbeuten und diese unter miserablen Bedingungen arbeiten lassen.

Mehr Informationen bei Markus Kristen.


Matthias Gattermeier – Zweiter Sozialdiener in Lahore/Pakistan

Nachdem im Jahr 2007 erstmals ein Sozialdiener nach Lahore/Pakistan entsendet worden war, leistet nun seit Anfang Februar mit Matthias Gattermeier wieder ein junger Österreicher seinen Dienst bei der Organisation proLokain der pakistanischen Großstadt ab.

Die Tätigkeit der Sozialdiener in Lahore ist, so der Niederösterreicher, landesweit bekannt, geschätzt und beliebt. „Egal ob ich einen traditionellen Dhol-Spieler, einen geschäftigen Organisator eines Projektes oder einen auf der Pilgerreise befindlichen Sufi-Heiligen darauf anspreche, die Sozialdiener haben merklich ihre Spuren hinterlassen“, sagt Matthias Gattermeier, Sozialdiener in Lahore. Der Auslandsdienst ist bekannt, und die Sozialdiener haben mit ihrer Arbeit bei Danka einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt des Landes geleistet, der kaum noch wegzudenken ist.

Eine der Hauptaufgaben der Sozialdiener in Pakistan ist die Mitarbeit am Projekt „Danka“, das sich der mühseligen Aufgabe verschrieben hat, als Bindeglied zwischen Künstlern und Kulturschaffenden, Event-Organisatoren, Kulturzentren und Publikum zu fungieren. „Danka“ organisiert die Kommunikation zwischen all diesen Teilen des Kulturbetriebs und stellt sicher, dass die Menschen in Pakistan ihre eigenen kulturellen Wurzeln nicht vergessen, sie wiederentdecken können und - so „Dankas“ zentraler Leitspruch - "ihre Kultur leben".

Seit seiner Ankunft hat sich viel geändert, berichtet Gattermeier. War zu Beginn seines Dienstes nur ein Mitarbeiter bei der Organisation beschäftigt, so konnten nun wieder sechs neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Es werden neue Programme initiiert“, so der Sozialdiener weiter, „bestehende Kooperationen bestärkt und frische Kräfte gesammelt. Und wenn wir mit den neuen Bestrebungen auch internationale Geldgeber und lokale Sponsoren werben können, wird auch die Zukunft dieses einzigartigen Projektes gesichert bleiben.“

Mehr Informationen bei Matthias Gattermeier



Samstag, 19. Februar 2011

Februar


Vortrag von Paul Lendvai über sein „verspieltes Land“


Am Mittwoch dem 2. Februar 2011 besuchten Thomas Schobesberger und Johannes Höß den Vortrag „Die Rechte Gerfahr“ in der Israelischen Kultus Gemeinde Wien. Prof. Paul Lendvai, ein gebürtiger Ungar, der als Publizist und Journalist in Wien lebt und der seit seiner letzten Publikation „Mein verspieltes Land“ sehr viel Kritik von ungarischer Seite einstecken musste, zeigte in seinem Vortrag ganz andere Zugänge zu seiner Heimat auf und ging speziell auf die dortige Radikalisierung ein.

Angefangen von den jüngeren Generationen, die sich offensichtlich immer stärker auf die rechte Seite bewegen, bis hin zu den Politikern und deren Parteien, die Richtungen und Visionen vorgeben, die uns vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt sind. Die anschließende Diskussion rundete die Veranstaltung ab und eröffnete den Zuhörenden einige neue Blickwinkel.

Mehr Informationen bei Johannes Höß und Thomas Schobesberger

„Auslandsdiener berichten…“

Alexander Graf, Paris

Ich habe meinen Gedenkdienst am 1. September 2010 an der Amicale de Mauthausen in Paris angetreten. Mein bisheriger Eindruck ist durchwegs positiv. Aufgrund meiner langfristigen, kulturellen Vorbereitung gab es für mich keine besonderen Überraschungen bzgl. der französischen Lebensweise. Aber natürlich entdeckt man laufend neue Dinge und gewinnt daraus persönliche Kenntnisse.

Meine Arbeit an der Amicale umfasste verschiedenste Aktivitäten, darunter das Übersetzen und Archivieren/Digitalisieren von Dokumenten, tägliche E-Mail-Korrespondenz sowie Mithilfe bei der Buchhaltung (Kontrolle von Schecks bzw. Einzahlungen, Sortieren von Dokumenten, …). Besonders hervorheben möchte ich die organisatorischen Arbeiten im Zuge der jährlichen Mauthausen-Reise oder des Kongresses der Amicale de Mauthausen in Lille.

Langfristig arbeite ich an der Digitalisierung aller Amicale-Bulletins, welche ab der Mitte der 40er Jahre veröffentlicht wurden. Ziel dieses Projektes ist es, dass diese Magazine auf der Website der Amicale für jedermann einsehbar sind.

Natürlich gab es anfangs, trotz umfangreicher sprachlicher Vorbereitung kleinere Verständigungsprobleme. Aufgrund der ständigen Konfrontation mit der französischen Sprache minimierten sich diese jedoch schnell und inzwischen habe ich im Alltag eigentlich keinerlei Schwierigkeiten mehr.

Mehr Informationen bei Alexander Graf

Florian Lust, Prato

Ich arbeite seit 1.9.2010 in Prato, Italien am Museo e Centro di Documentazione della Deportazione e Resistenza.

Ohne mich etwaiger Vorurteile bedienen zu wollen, stellte ich während meiner bisherigen Zeit in Italien fest, dass man in meinem Umfeld hier in Prato nicht wirklich viel von Pünktlichkeit zu halten scheint. Das war für mich am Anfang ehrlich gesagt etwas gewöhnungsbedürftig. Jedoch möchte ich betonen, dass die Italiener stets sehr nett und hilfsbereit sind.

Im Museum habe ich im Anfang Großteils Büroarbeiten erledigt, da ich zugeben muss, dass mir die Sprache und vor allem das Sprechtempo in den ersten Wochen schwerer gefallen sind, als ich es erwartet habe. Unter Anderem nahm ich an verschiedenen Konferenzen teil, durchstöberte Zeitungen nach für unsere Arbeit relevanten Artikeln oder half bei der Instandhaltung der Technik im Museum. Des Weiteren bereitete ich mich natürlich laufend auf Führungen vor. Im Jänner fühlte ich mich schließlich im Stand auch selbst Führungen für Besuchergruppen zu halten. Des Weiteren habe ich mit meinem Kollegen Enrico Iozzelli das Projekt "Treno della Memoria" organisiert. Dieses Projekt findet alle zwei Jahre statt und führte uns vom 24.1 bis 28.1.2011, also rund um den „Internationalen Holocaust Gedenktag“, gemeinsam mit circa 800 Teilnehmern nach Oswiecim, Polen, wo wir das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau und die Umgebung besuchten.

Da der Gedenkdienst für mich den ersten längerfristigen Aufenthalt im Ausland darstellt, war die Umstellung für mich vom „Hotel Mama“, das sich bekanntlich ja auch in Italien größter Beliebtheit erfreut, und dem selbstständigen Leben hier in einer neuen Umgebung inkl. neuer Sprache ziemlich groß. Ich bin aber sehr froh, dass ich mich dazu entschlossen habe und dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, es tatsächlich zu realisieren.

Mehr Informationen bei Florian Lust


David Witzeneder, Costa Rica

Seit 1. September 2010 leiste ich meinen Sozialdienst an der Tropenstation La Gamba in Costa Rica.

Ganz abgesehen davon, dass die Leute genauso wie in Österreich essen, trinken und schlafen, sind die Ticos (Costa Ricaner) sehr freundlich und offen. Es ist hier überall so üblich, dass die Einheimischen Fremde im Bus oder an der Bushaltestelle ansprechen - das gilt natürlich auch für Ausländer. Die Umstände und die Umgebung in denen die Costa Ricaner leben, wären für den Großteil der österreichischen Bevölkerung mit Sicherheit nicht sehr angenehm. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die meisten hier Lebenden damit zufrieden sind, da sie über Generationen daran gewöhnt sind.

Der Lärm im Ort oder in der Stadt ist für mich oft schwer zu ertragen. Vor jedem Haus wartet mindestens ein Hund darauf, dass jemand vorbeikommt um laut zu bellen beginnen zu können. Viele laufen Passanten auch längere Strecken hinterher und das passiert natürlich auch in der Nacht. Somit ist es unschwer vorstellbar, dass man bei einer Fahrradfahrt durch bewohntes Gebiet von einer Schar von 30 laut bellender Hunde und mehr verfolgt wird. Leider musste ich auch feststellen, dass viele Menschen große psychische Probleme haben und oft nicht die Möglichkeit haben darüber zu sprechen. Beispielsweise gibt es hier einen Fall, wo ein erwachsener Mann seit 20 Jahren mit niemanden über den tödlichen Unfall seines Vaters während dessen Kindheit gesprochen hat.

Mit der Sprache geht es mir nach einem halben Jahr sehr gut. Mein täglicher Kontakt mit den Ticos hat zur Folge, dass ich inzwischen auch den lokalen Dialekt ganz gut beherrsche – was mich sogar ein bisschen stolz macht.

Im Februar habe ich meinen Arbeitsplatz wie geplant an die Finca Sonador nach Puntarenas – also in den nördlicheren Teil Costa Ricas – gewechselt. Vormittags arbeite ich hier nun hauptsächlich im Kindergarten und nachmittags kümmere ich mich um verschiedene technische Bereiche. Weiters habe ich mir vorgenommen den anfallenden Dung der Kühe mittels einer örtlichen Biogasanlage zu verwerten und somit Biogas zum Kochen und gleichzeitig Kompost für den Garten zu gewinnen. Wünscht mir viel Erfolg, dass das auch funktioniert.

Mehr Informationen bei David Witzeneder


Lukas Mähr, Melbourne

Ich arbeite seit 1.September 2010 am Jewish Museum of Australia in Melbourne. Einen Kulturschock habe ich hier eigentlich nicht erlitten. Wer Melbourne kennt, weiß dass es hinsichtlich der Lebensqualität und den Gewohnheiten einer europäischen Stadt sehr ähnlich ist. Die einzige gravierende Umstellung betraf die verschobenen Jahreszeiten.

Auch im Museum gab es keine unvorhersehbaren Überraschungen, da ich von meinen Vorgängern gut vorbereitet wurde. Meine derzeitige Aufgabe ist die umfangreiche Recherche von Familiengeschichten während der NS Zeit. Momentan befasse ich mich mit den Schicksalen der Familien Weilburg und Kohn. Die Emigration wurde in beiden Fällen nur einem Teil der Familien gestattet. Daher fand reger Briefverkehr zwischen den Familienmitgliedern statt, welchen ich jetzt genau nachverfolge um Rückschlüsse auf das Leben der Familien ziehen zu können.

In den letzten Wochen habe ich am "The Babel Project", einem Community Arts Projekt teilgenommen, wofür ich die Grafiken erstellte und an der Ausstellungskonzeption arbeitete. Dieses Projekt wurde am 6. März 2011 präsentiert und wandert später in verschiedene Vororte. Ich bin noch weitere fünf Monate hier in Melbourne und freue mich auf interessante Projekte und Erfahrungen.

Mehr Informationen bei Lukas Mähr


Erstes Helen Keller Seminar an der Dorton House School

Am 4. März 2011 hielten die drei Sozialdiener an der Dorton House School in Seal/England im Rahmen der weltweiten Seminarreihe des Österreichischen Auslandsdienstes ihr erstes ‚Helen Keller Seminar‘. Das von Alexander, Andreas und Simon organisierte Seminar über die taubblinde Schriftstellerin und politische Aktivistin Helen Keller fand am Campus der Dorton House School statt.

„Wir sind sehr zufrieden. Unser Seminar war aus unserer Sicht sehr gut besucht und das Feedback war durchwegs positiv“, fasst Andreas Maschke erfreut zusammen. „Wir versuchten, sowohl auf Helen Kellers Werk und Persönlichkeit, als auch auf das Thema Behinderung und natürlich im Besonderen Blindheit in der heutigen Zeit einzugehen. Unser Programmmix aus Vortrag, Dokumentation, Lesung und Diskussion ist offenbar gut angekommen“.

Die drei Sozialdiener arbeiten seit 1. September 2010 an der Dorton House School, einer Schule für blinde Jugendliche mit Behinderung, und haben damit bereits mehr als die Hälfte ihres Dienstes absolviert. „Die Arbeit ist nach wie vor sehr interessant und lehrreich und bereitet uns viel Freude“ sagt Simon Spornberger.

Mehr Informationen bei Alexander Berger, Andreas Maschke und Simon Spornberger


v.l.n.r.: Alexander Berger, Andreas Maschke und Simon Spornberger.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Dezember - Jänner Newsletter

Kanada: Gedenkdiener neben Montreal seit 2010 auch in Toronto

Das Holocaust Education Centre hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor den Gefahren des Antisemitismus und der Intoleranz zu warnen, wie schon viele Holocaust Zentren auf der ganzen Welt zuvor. Seit 2010 ist eine Gedenkdienst-Einsatzstelle des Österreichischen Auslandsdienstes.

Jedes Jahr nimmt eine Vielzahl von Schülern, Pädagogen und Gemeindemitgliedern an den dynamischen Bildungsprogrammen des Centres teil. Wichtige Projekte sind unter anderem die Holocaust Education Week , der Raoul Wallenberg Day und der Yom Hashoah V’Hagvurah – Holocaust Remembrance Day. Der derzeit anwesende Gedenkdiener, Raffael Stuhlpfarrer, arbeitet an beiden Organisationen.

Das National Office of Hillel Canada ist die größte jüdische, an Universitäten tätige Studentenorganisation, die auch jedes Jahr zahlreiche Gedenkfeiern organisiert. Das Aufgabenspektrum des Gedenkdieners ist sehr weit gestreut und umfasst nicht nur die Mitorganisation einzelner Veranstaltungen, sondern auch die Gestaltung von Flyern, Postern und anderen Werbematerialien. Außerdem half er seinem Vorgesetzten, Carson Phillips, bei der Promotion des Centres bei einigen Weiterbildungskonferenzen für Lehrer in Ontario.

Eine weitere Aufgabe des Gedenkdieners ist es, an verschiedene High Schools in Ontario zu fahren, um dort Workshops für Studenten und Vorträge über die Rolle Österreichs im Zweiten Weltkrieg zu halten. Die dabei anfallenden Kosten werden von den Einsatzstellen übernommen. Die größte jüdische Gemeinde Kanadas ist in Toronto angesiedelt, was auch der Grund ist warum es im Zuge der Holocaust Education Week einen großen Workshop an der Universität Toronto gibt, bei der Raffael Stuhlpfarrer auch mitgearbeitet hat.


Mehr Infos bei Raffael Stuhlpfarrer


Start des deutschsprachigen Bildungsprogramms beim Galicia Jewish Museum in Krakau

Der Hauptaufgabenbereich des Gedenkdieners ist es Führungen im Museum zu halten. Da das Galicia Jewish Museum in Krakau bisher aus Personalmangel keine deutschsprachigen Führungen und Workshops anbieten konnte, wurde 2010 eine Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Auslandsdienst gestartet. Die Hauptausstellung des Museums trägt den Namen „Traces of Memory“ und wurde nach mühsamer Recherche zwischen 1993 und 2004 vom britischen Fotografen Chris Schwarz und Universitätsprofessor Jonathan Webber konzipiert und realisiert. Sie zeigt welche jüdischen Spuren des ehemaligen Galiziens noch heute in Polen zu finden sind.

Nach fünf Wochen intensiver Vorbereitung und mehrerer interner Führungen für Kollegen, gab Johannes Tiefenthaler seine erste Führung für Besuch. Weitere Aufgabenbereiche sind unter anderem Übersetzungsarbeit und Forum-Arbeit, was Foto-, Text- und Film-Uploads beinhaltet.

Der Gedenkdiener hatte keine großen Schwierigkeiten rasch eine passende Unterkunft zu finden. Die einzige Hürde, die er zu nehmen hatte, war dieSprachbarriere. Englisch alleine reicht zur Verständigung in Krakau nicht aus. Deshalb belegte er auch in Polen weiter einen intensiven Sprachkurs, der aber natürlich mit hohen Zusatzkosten verbunden war. Da er allerdings täglich mehrere Stunden Polnisch spricht, ist er mittlerweile im Stande sich zu unterhalten.

Mehr Infos bei Johannes Tiefenthaler





Zweiter Sozialdiener nach 2001 im rumänischen Iasi


Mit David Tempelmayr trat am 1. Oktober 2010 nach knapp achtjähriger Unterbrechung der zweite österreichische Sozialdiener seinen Auslandsdienst an der Fundatia Nadejdea Copiilor din Romania an. Zuletzt war Beniamin Damsa von September 2001 bis Oktober 2002 an dieser Einrichtung im Ort Podu Iloaie, nahe der nordostrumänischen Universitätsstadt Iasi, aktiv gewesen.


Tempelmayr besuchte seine Einsatzstelle vor seinem Dienstantritt insgesamt dreimal mit einer Gruppe von Jugendlichen und seinem Mentor Damsa. „Dadurch habe ich das Umfeld, die Burschen und auch die persönlichen Voraussetzungen kennengelernt. Ich würde allen potentiellen Nachfolgern empfehlen, mal für eine Woche vorbeizukommen“, erzählt der junge Niederösterreicher. Seit Damsas Dienstende seizwar viel Zeit vergangen, die Inhalte des Sozialdienstes in Iasi sind laut dem 19-jährigen Tempelmayr aber noch immer dieselben wie damals.


Die Hauptaufgabe des in Amstetten geborenen Absolventen der HAK Waidhofen/Ybbs ist das praktische Arbeiten auf dem Bauernhof der Fundatia mit jungen Männern über 18 - Waisen, die vom Staat nicht mehr unterstützt werden - bzw. die Unterstützung und Beratung der Betroffenen mit dem Ziel, ein selbstständiges Leben führen zu können. Grundvoraussetzungen für diese Arbeit, so Tempelmayr, seien das Erlernen der rumänischen Sprache und viel Geduld.


„Die Verweildauer auf der Farm ist sehr unterschiedlich. Ein junger Mann lebt hier bereits seit 10 Jahren, andere waren nach 5 Jahren so weit, dass sie autonom leben konnten. Die jungen Männer bleiben so lange, bis sie selbstständig genug sind, um alleine zu Recht zu kommen“, so David Tempelmayr, der noch bis Ende September 2011 in Iasi seinen Sozialdienst leisten wird.


Mehr Infos bei David Tempelmayr






Auslandsdiener berichten von ihren Erfahrungen…



Florian Dregelyvari, Paris


Wie bereits vor zwei Monaten möchten wir euch auch in diesem Monat wieder das Leben eines Auslandsdieners ein wenig näher bringen - je ein Bericht aus Paris und New York.


„Ich bin nun seit 1.September an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation(FMD) in Paris. Kulturschock habe ich hier keinen erlitten, da sich Frankreich und Österreich kulturell wohl zu ähnlich sind. Als es wegen der Pensionsreform zu Streiks kam, gab es dann aber doch Umstellungen für mich. Aufgrund der Lage der Einsatzstelle und meines Zimmers war ich auch meistens hautnah am Geschehen mit dabei. Daran gewöhnt man sich aber und sieht, dass nicht immer alles so schnell gehen muss. Fällt die Metro oder ein Bus aus, wechselt man auf ein anderes öffentliches Verkehrsmittel und versucht es einfach am nächsten Tag zur selben Zeit wieder. Ungewöhnlich, wenn man daran denkt wie hektisch Großstädte ansonsten oft sind.


Große Projekte gibt es bei der Fondation eher weniger. Anfangs war ich hauptsächlich für das Archiv und Recherchearbeiten, sowie Übersetzungen zuständig. Mittlerweile wird mir aber sehr viel mehr zugetraut. Ich wurde zum Beispiel in eine Schule eingeladen, um dort mit den Schülern einer Maturaklasse über den Holocaust und Gedenkdienst zu diskutieren. Dies war auch für mich interessant, da die Stimmung der Jugend zu diesem Thema wiedergespiegelt wurde.


Sprachlich ist mir aufgefallen, dass ich inzwischen schon im Stande bin auch anspruchsvollere Texte oder auch Gespräche unter Franzosen inhaltlich zu verstehen. Ich denke, jeder braucht für eine Fremdsprache eine gewisse Eingewöhnungszeit.


Abschließendes Resümee: Mein Eindruck ist absolut positiv. Die Einsatzstelle, die Mitarbeiter, die Stadt - alles (außer die Preise in der Stadt, die dann doch ein gewisser „Schock“ waren) macht einen guten Eindruck auf mich.“


Andreas Eymannsberger, New York

„Ich leiste seit 1. September 2010 meinen Gedenkdienst am Museum of Jewish Heritage in New York City ab.


Zu Beginn war ich im Museumsshop beschäftigt, mittlerweile bin ich aber ausschließlich im Collections & Exhibitions Deparment tätig und dort voll integriert. Meine Hauptaufgaben sind das Anhören und Ansehen, sowie Auswerten von Interviews mit Holocaust-Überlebenden, Übersetzen von Briefen und Dokumenten, Scannen von Negativen, Dias und sonstigen Artefakten, Condition Reporting von Artefakten, die das Museum gestiftet bekommt, sowie die Mithilfe beim Umbau von Ausstellungen. Außerdem biete ich zusammen mit einem deutschen Praktikanten einen Deutschkurs für einige Mitarbeiter an.


Mein erster Eindruck war, dass die Leute an meiner Einsatzstelle extrem freundlich sind und das Arbeitsklima sehr angenehm ist. Diesbezüglich hat sich auch nichts geändert. Es ist schön zu sehen, dass die Aufgaben, die man gestellt bekommt, anspruchsvoller werden und dass einem immer mehr Vertrauen entgegengebracht wird, diese Aufgaben auch zufriedenstellend zu erledigen.


Probleme mit der Sprache habe ich absolut keine. Man wird zwar oft darauf angesprochen woher man kommt - was auf einen gewissen Akzent schließen lässt - trotzdem wird mein Englisch von meinen Mitarbeitern als recht gut befunden. Letztendlich ist es ein Teil der Vorbereitung, sich auch mit der Sprache zu beschäftigen, was meiner Meinung nach über die Schule hinausgehen sollte.


Kulturschock habe ich keinen erlitten. Ich schätze, dazu sind die Unterschiede zwischen einer Großstadt in den USA und Europa zu gering. Das wäre in Ostasien oder Afrika bestimmt schlimmer als hier in New York, das im Vergleich zu gewissen Teilen der USA (Stichwort: Süden und mittlerer Westen) auch sehr fortschrittlich und liberal ist.“





Berlin: John Rabe Award 2010 an Andreas Maislinger


Am 8. November 2010 wurde Dr. Andreas Maislinger im Chinesischen Kulturzentrum Berlin mit dem John Rabe Award ausgezeichnet. In seiner Rede verwies Dr. Thomas Rabe, Enkelsohn von John Rabe und Mitglied des Internationalen Rates des Österreichischen Auslandsdienstes, vor allem auf das Engagement des Österreichischen Friedensdienstes in Nanjing.

Rund um die Preisverleihung waren zahlreiche Termine angesetzt. Am Limmud-Tag der jüdischen Gemeinde Berlin nahmen Andreas Maislinger, Gedenkdienst-Kandidat Lukas Egger und Gedenkdiener des Jüdischen Museums Heinz Chen teil. Mehrere Gespräche, etwa mit der Künstlerin Mimi Lips oder mit Direktor W. Michael Blumenthal und mit vielen Mitarbeitern des Jüdischen Museums, standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Ein Besuch des Deutschen Historischen Museums, in dem gerade die Sonderausstellung „Hitler und die Deutschen“ läuft, rundete die Berlin Reise ab.

Berlin ist ein wichtiger Einsatzort des Österreichischen Auslandsdienstes. Der Tätigkeitsbereich geht mittlerweile über das Engagement beim Jüdischen Museum hinaus: im Sommer wurde eine weitere Einsatzstelle in Berlin genehmigt: das Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee.

Mehr Infos bei Heinz Chen