Kanada: Gedenkdiener neben Montreal seit 2010 auch in Toronto
Das Holocaust Education Centre hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor den Gefahren des Antisemitismus und der Intoleranz zu warnen, wie schon viele Holocaust Zentren auf der ganzen Welt zuvor. Seit 2010 ist eine Gedenkdienst-Einsatzstelle des Österreichischen Auslandsdienstes.
Jedes Jahr nimmt eine Vielzahl von Schülern, Pädagogen und Gemeindemitgliedern an den dynamischen Bildungsprogrammen des Centres teil. Wichtige Projekte sind unter anderem die Holocaust Education Week , der Raoul Wallenberg Day und der Yom Hashoah V’Hagvurah – Holocaust Remembrance Day. Der derzeit anwesende Gedenkdiener, Raffael Stuhlpfarrer, arbeitet an beiden Organisationen.
Das National Office of Hillel Canada ist die größte jüdische, an Universitäten tätige Studentenorganisation, die auch jedes Jahr zahlreiche Gedenkfeiern organisiert. Das Aufgabenspektrum des Gedenkdieners ist sehr weit gestreut und umfasst nicht nur die Mitorganisation einzelner Veranstaltungen, sondern auch die Gestaltung von Flyern, Postern und anderen Werbematerialien. Außerdem half er seinem Vorgesetzten, Carson Phillips, bei der Promotion des Centres bei einigen Weiterbildungskonferenzen für Lehrer in Ontario.
Eine weitere Aufgabe des Gedenkdieners ist es, an verschiedene High Schools in Ontario zu fahren, um dort Workshops für Studenten und Vorträge über die Rolle Österreichs im Zweiten Weltkrieg zu halten. Die dabei anfallenden Kosten werden von den Einsatzstellen übernommen. Die größte jüdische Gemeinde Kanadas ist in Toronto angesiedelt, was auch der Grund ist warum es im Zuge der Holocaust Education Week einen großen Workshop an der Universität Toronto gibt, bei der Raffael Stuhlpfarrer auch mitgearbeitet hat.
Mehr Infos bei Raffael Stuhlpfarrer
Start des deutschsprachigen Bildungsprogramms beim Galicia Jewish Museum in Krakau
Der Hauptaufgabenbereich des Gedenkdieners ist es Führungen im Museum zu halten. Da das Galicia Jewish Museum in Krakau bisher aus Personalmangel keine deutschsprachigen Führungen und Workshops anbieten konnte, wurde 2010 eine Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Auslandsdienst gestartet. Die Hauptausstellung des Museums trägt den Namen „Traces of Memory“ und wurde nach mühsamer Recherche zwischen 1993 und 2004 vom britischen Fotografen Chris Schwarz und Universitätsprofessor Jonathan Webber konzipiert und realisiert. Sie zeigt welche jüdischen Spuren des ehemaligen Galiziens noch heute in Polen zu finden sind.
Nach fünf Wochen intensiver Vorbereitung und mehrerer interner Führungen für Kollegen, gab Johannes Tiefenthaler seine erste Führung für Besuch. Weitere Aufgabenbereiche sind unter anderem Übersetzungsarbeit und Forum-Arbeit, was Foto-, Text- und Film-Uploads beinhaltet.
Der Gedenkdiener hatte keine großen Schwierigkeiten rasch eine passende Unterkunft zu finden. Die einzige Hürde, die er zu nehmen hatte, war dieSprachbarriere. Englisch alleine reicht zur Verständigung in Krakau nicht aus. Deshalb belegte er auch in Polen weiter einen intensiven Sprachkurs, der aber natürlich mit hohen Zusatzkosten verbunden war. Da er allerdings täglich mehrere Stunden Polnisch spricht, ist er mittlerweile im Stande sich zu unterhalten.
Mehr Infos bei Johannes Tiefenthaler
Zweiter Sozialdiener nach 2001 im rumänischen Iasi
Mit David Tempelmayr trat am 1. Oktober 2010 nach knapp achtjähriger Unterbrechung der zweite österreichische Sozialdiener seinen Auslandsdienst an der Fundatia Nadejdea Copiilor din Romania an. Zuletzt war Beniamin Damsa von September 2001 bis Oktober 2002 an dieser Einrichtung im Ort Podu Iloaie, nahe der nordostrumänischen Universitätsstadt Iasi, aktiv gewesen.
Tempelmayr besuchte seine Einsatzstelle vor seinem Dienstantritt insgesamt dreimal mit einer Gruppe von Jugendlichen und seinem Mentor Damsa. „Dadurch habe ich das Umfeld, die Burschen und auch die persönlichen Voraussetzungen kennengelernt. Ich würde allen potentiellen Nachfolgern empfehlen, mal für eine Woche vorbeizukommen“, erzählt der junge Niederösterreicher. Seit Damsas Dienstende seizwar viel Zeit vergangen, die Inhalte des Sozialdienstes in Iasi sind laut dem 19-jährigen Tempelmayr aber noch immer dieselben wie damals.
Die Hauptaufgabe des in Amstetten geborenen Absolventen der HAK Waidhofen/Ybbs ist das praktische Arbeiten auf dem Bauernhof der Fundatia mit jungen Männern über 18 - Waisen, die vom Staat nicht mehr unterstützt werden - bzw. die Unterstützung und Beratung der Betroffenen mit dem Ziel, ein selbstständiges Leben führen zu können. Grundvoraussetzungen für diese Arbeit, so Tempelmayr, seien das Erlernen der rumänischen Sprache und viel Geduld.
„Die Verweildauer auf der Farm ist sehr unterschiedlich. Ein junger Mann lebt hier bereits seit 10 Jahren, andere waren nach 5 Jahren so weit, dass sie autonom leben konnten. Die jungen Männer bleiben so lange, bis sie selbstständig genug sind, um alleine zu Recht zu kommen“, so David Tempelmayr, der noch bis Ende September 2011 in Iasi seinen Sozialdienst leisten wird.
Mehr Infos bei David Tempelmayr

Auslandsdiener berichten von ihren Erfahrungen…
Florian Dregelyvari, Paris
Wie bereits vor zwei Monaten möchten wir euch auch in diesem Monat wieder das Leben eines Auslandsdieners ein wenig näher bringen - je ein Bericht aus Paris und New York.
„Ich bin nun seit 1.September an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation(FMD) in Paris. Kulturschock habe ich hier keinen erlitten, da sich Frankreich und Österreich kulturell wohl zu ähnlich sind. Als es wegen der Pensionsreform zu Streiks kam, gab es dann aber doch Umstellungen für mich. Aufgrund der Lage der Einsatzstelle und meines Zimmers war ich auch meistens hautnah am Geschehen mit dabei. Daran gewöhnt man sich aber und sieht, dass nicht immer alles so schnell gehen muss. Fällt die Metro oder ein Bus aus, wechselt man auf ein anderes öffentliches Verkehrsmittel und versucht es einfach am nächsten Tag zur selben Zeit wieder. Ungewöhnlich, wenn man daran denkt wie hektisch Großstädte ansonsten oft sind.
Große Projekte gibt es bei der Fondation eher weniger. Anfangs war ich hauptsächlich für das Archiv und Recherchearbeiten, sowie Übersetzungen zuständig. Mittlerweile wird mir aber sehr viel mehr zugetraut. Ich wurde zum Beispiel in eine Schule eingeladen, um dort mit den Schülern einer Maturaklasse über den Holocaust und Gedenkdienst zu diskutieren. Dies war auch für mich interessant, da die Stimmung der Jugend zu diesem Thema wiedergespiegelt wurde.
Sprachlich ist mir aufgefallen, dass ich inzwischen schon im Stande bin auch anspruchsvollere Texte oder auch Gespräche unter Franzosen inhaltlich zu verstehen. Ich denke, jeder braucht für eine Fremdsprache eine gewisse Eingewöhnungszeit.
Abschließendes Resümee: Mein Eindruck ist absolut positiv. Die Einsatzstelle, die Mitarbeiter, die Stadt - alles (außer die Preise in der Stadt, die dann doch ein gewisser „Schock“ waren) macht einen guten Eindruck auf mich.“
Andreas Eymannsberger, New York
„Ich leiste seit 1. September 2010 meinen Gedenkdienst am Museum of Jewish Heritage in New York City ab.
Zu Beginn war ich im Museumsshop beschäftigt, mittlerweile bin ich aber ausschließlich im Collections & Exhibitions Deparment tätig und dort voll integriert. Meine Hauptaufgaben sind das Anhören und Ansehen, sowie Auswerten von Interviews mit Holocaust-Überlebenden, Übersetzen von Briefen und Dokumenten, Scannen von Negativen, Dias und sonstigen Artefakten, Condition Reporting von Artefakten, die das Museum gestiftet bekommt, sowie die Mithilfe beim Umbau von Ausstellungen. Außerdem biete ich zusammen mit einem deutschen Praktikanten einen Deutschkurs für einige Mitarbeiter an.
Mein erster Eindruck war, dass die Leute an meiner Einsatzstelle extrem freundlich sind und das Arbeitsklima sehr angenehm ist. Diesbezüglich hat sich auch nichts geändert. Es ist schön zu sehen, dass die Aufgaben, die man gestellt bekommt, anspruchsvoller werden und dass einem immer mehr Vertrauen entgegengebracht wird, diese Aufgaben auch zufriedenstellend zu erledigen.
Probleme mit der Sprache habe ich absolut keine. Man wird zwar oft darauf angesprochen woher man kommt - was auf einen gewissen Akzent schließen lässt - trotzdem wird mein Englisch von meinen Mitarbeitern als recht gut befunden. Letztendlich ist es ein Teil der Vorbereitung, sich auch mit der Sprache zu beschäftigen, was meiner Meinung nach über die Schule hinausgehen sollte.
Kulturschock habe ich keinen erlitten. Ich schätze, dazu sind die Unterschiede zwischen einer Großstadt in den USA und Europa zu gering. Das wäre in Ostasien oder Afrika bestimmt schlimmer als hier in New York, das im Vergleich zu gewissen Teilen der USA (Stichwort: Süden und mittlerer Westen) auch sehr fortschrittlich und liberal ist.“
Berlin: John Rabe Award 2010 an Andreas Maislinger
Am 8. November 2010 wurde Dr. Andreas Maislinger im Chinesischen Kulturzentrum Berlin mit dem John Rabe Award ausgezeichnet. In seiner Rede verwies Dr. Thomas Rabe, Enkelsohn von John Rabe und Mitglied des Internationalen Rates des Österreichischen Auslandsdienstes, vor allem auf das Engagement des Österreichischen Friedensdienstes in Nanjing.
Rund um die Preisverleihung waren zahlreiche Termine angesetzt. Am Limmud-Tag der jüdischen Gemeinde Berlin nahmen Andreas Maislinger, Gedenkdienst-Kandidat Lukas Egger und Gedenkdiener des Jüdischen Museums Heinz Chen teil. Mehrere Gespräche, etwa mit der Künstlerin Mimi Lips oder mit Direktor W. Michael Blumenthal und mit vielen Mitarbeitern des Jüdischen Museums, standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Ein Besuch des Deutschen Historischen Museums, in dem gerade die Sonderausstellung „Hitler und die Deutschen“ läuft, rundete die Berlin Reise ab.
Berlin ist ein wichtiger Einsatzort des Österreichischen Auslandsdienstes. Der Tätigkeitsbereich geht mittlerweile über das Engagement beim Jüdischen Museum hinaus: im Sommer wurde eine weitere Einsatzstelle in Berlin genehmigt: das Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee.

Mehr Infos bei Heinz Chen