Mittwoch, 8. Dezember 2010

November Newsletter

Zeitzeugengespräch mit Karl Pfeifer

Im Zeitraum vom 7. bis 13. November 1938 wurden im Zuge der Novemberpogrome tausende deutsche und auch österreichische Juden verhaftet, deportiert oder ermordet. Jüdische Friedhöfe wurden zerstört, Wohnungen geplündert und Synagogen in Brand gesteckt.

In St. Pölten nahm sich das Bündnis für Toleranz, Menschlichkeit und Solidarität den 72. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 2010 zum Anlass, den Verfolgten und Unterdrückten des Faschismus zu gedenken und lud zu einem Zeitzeugengespräch in die Fachhochschule ein. Der Österreichische Auslandsdienst war durch Markus Kristen und Raphael Martin bei der Veranstaltung vertreten.

„Wenn Sie erwartet haben, dass ich heute über den 9. November rede, muss ich Sie leider enttäuschen“, so hat Karl Pfeifer, österreichischer Journalist, seine fast zweistündigen Erzählungen begonnen. Großteil dieser Erzählungen war sein Leben selbst.

1928 in Baden, als Sohn ungarischer Einwanderer geboren, muss seine Familie 1938 zurück nach Ungarn fliehen, wo er erst die Amtssprache erlernen muss. Zwei Jahre nach seiner Ankunft gelangt er in eine zionistisch-sozialistische Jugendgruppe und verlässt 1942, mit einem von drei möglichen Transporten zur Kriegszeit, seine Heimat und gelangt nach Palästina, wo er später in die israelische Armee eintritt.

Er selbst bezeichnete hierbei die Erfahrungen aus Österreich als großen Vorteil, da viele Ungarn den Holocaust nicht wahrhaben wollten, er selbst aber die Lage in Österreich nur zu gut kannte.

Nicht nur über vergangene Geschehnisse wurde gesprochen, auch die Gegenwart war ein wichtiger Punkt, den er nicht außer Acht lassen wollte. Die österreichische Mentalität hat er angesprochen und dass die ÖsterreicherInnen in bestimmten Situationen noch immer viel zu verschwiegen sind und sich zu wenig engagieren. „Wenn ich eine Kritik übe, dann mit dem Gedanken etwas zu verändern“, war sein Appell.

Mehr Informationen bei Markus Kristen



Chicago Illinois Holocaust Museum & Education Center – Florian Müllegger

Wie schon im letzen Newsletter werden auch dieses Mal wieder einige neue Einsatzstellen präsentiert. Eine davon befindet sich in Skokie, einem kleinen Vorort von Chicago, Amerika und trägt den Namen Illinois Holocaust Museum & Education Center. Florian Müllegger leistet hier seit Anfang Oktober 2010 seinen Gedenkdienst.

In einer E-Mail schreibt er, dass die Museumsleitung und die ARSP (Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste) ihm geholfen haben, eine Wohnung nahe seiner Einsatzstelle zu finden. Somit war seine Anreise sehr reibungslos und er fand sich rasch zurecht. Arbeitsmäßig hatte er von Anfang an recht viel zu tun, da knapp vor seiner Anreise ein paar Arbeitskräfte das Museum verlassen hatten. Seine Aufgabenbereiche sind abwechslungsreich und beinhalten u.a. Archivarbeit mit Artefakten, Übersetzungen, Mithilfe bei Ankünften von Schülergruppen (manchmal bis zu 300 Leute) als Crowdcontrol. Seit zwei Wochen wird unser Gedenkdiener in Chicago auch einem Dozententraining unterzogen, um seine Tour besser gestalten zu können. Beinahe täglich hat er mit Holocaust Überlebenden zu tun, und erfährt stetig neue Lebensgeschichten. Alle paar Monate wird sogar ein von ihm geschriebenes Interview mit einem Überlebenden auf die Homepage der Einsatzstelle gestellt.

Aktuell arbeitet Florian Müllegger mit Kindergartenkindern, für die es ein speziell angepasstes Programm am
Illinois Holocaust Museum & Education Center, namens „Make a Difference Exhibit“ gibt. In diesem Programm geht es natürlich nicht direkt um den Holocaust, sondern um die Bildung von Charakteren und einer Gemeinschaft. Ein weiteres Projekt innerhalb seines Aufgabenbereiches sind die so genannten „Teaching Trunks“. Dabei handelt es sich um Kisten – die vom Center zusammengestellt werden – mit Unterrichtsmaterialien für Lehrer, wie etwa Filme, Bücher und sogar ganze Lehrplanvorschläge. Diese Kisten können kostenlos bestellt werden und werden in der Regel nach ca. einem Monat wieder zurückgeschickt.

Mehr Informationen bei Florian Müllegger


Besuch im Norden

Ende Oktober 2010 trafen sich Jürgen Eibensteiner (Auroville), Stefan Herunter (Tibetan Settlement Office) und Andreas Michelic (Nishtha) in Dharamshala, Indien. Sinn und Zweck dieses Treffens war neben einem besseren persönlichen Kennenlernen der Auslandsdiener, vor allem der Austausch von Informationen und das Knüpfen von Kontakten der einzelnen Einsatzstellen.

Jürgen Eibensteiner ist für eine Woche nach Dharamshala gekommen, um die Arbeit des Tibetan Settlement Office sowie von Nishtha, dem Krankenhaus von Dr. Barbara Nath-Wiser, kennenzulernen. Ziel war es, so viele Informationen wie möglich über die beiden Einrichtungen im Norden zu sammeln, um dem Österreichischen Kulturforum in Neu Delhi ein aktuelles Bild der Arbeiten an den jeweiligen Stellen geben zu können.

"Ich traf sofort auf ein offenes Ohr und vor allem großes Interesse bei den Auslandsdienst-Einsatzstellen in Indien und den Tätigkeiten der Sozialdiener. Frau Viktoria Wagner war sehr interessiert und hat uns bei einigen Fragen sehr weitergeholfen. Natürlich haben wir sie auch zu einem Besuch unserer Stellen eingeladen.", berichtete Jürgen Eibensteiner, nachdem er Frau Viktoria Wagner, die Leiterin des Österreichischen Kulturforums in New Delhi, am 5. November 2010 getroffen hatte.

FOTO: Die Auslandsdiener Stefan Herunter (Tibetan Settlement Office), Jürgen Eibensteiner (Auroville) und Andreas Michelic (Nishtha) gemeinsam in Dr. Barbara’s Krankenhaus in Sidhbari.

Auch für die einzelnen Einsatzstellen hat sich das Treffen als sehr positiv herausgestellt. Kooperationen und Kontakte zwischen Nishtha in Sidhbari, dem Tibetan Settlement Office in McLeod Ganj und Svaram in Auroville sind viel konkreter und wahrscheinlicher geworden, was sehr wichtig für jede einzelne der drei sozialen Einrichtungen ist.

Stefan Herunter





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